Nur wenige Kilometer vor dem Ziel schien plötzlich wieder alles möglich. Laura Philipp hatte sich beim IRONMAN in Hamburg nach einem Rückstand von mehreren Minuten mit einem furiosen Marathon zurück ins Rennen gekämpft und setzte Spitzenreiterin Solveig Løvseth immer stärker unter Druck. Die Norwegerin rettete ihren Vorsprung letztlich jedoch ins Ziel und gewann nach 8:11:11 Stunden den IRONMAN Hamburg. Philipp überquerte nur 78 Sekunden später nach 8:12:29 Stunden die Ziellinie und sicherte sich damit die Silbermedaille sowie einen Startplatz für die IRONMAN-Weltmeisterschaft auf Hawaii.
Laura Philipp sichert sich den zweiten Platz, Foto: Joern Pollex / Getty Images for IRONMAN
Lovseth stark von vorn
Um 6:20 Uhr fiel am Sonntagmorgen der Startschuss des IRONMAN Hamburg 2026. Bei zunächst kühlen, aber trockenen Bedingungen machten sich die Athletinnen auf die 3,8 Kilometer lange Schwimmstrecke in der Alster, bevor wechselhafte Wetterverhältnisse das Rennen zunehmend erschwerten. Vor allem auf der Radstrecke hatten die Profis mit kräftigem Wind und teils anspruchsvollen Bedingungen zu kämpfen. „Es war sehr hart da draußen, ich bin fast vom Fahrrad gefallen“, schilderte Laura Philipp nach dem Rennen. Trotz der schwierigen Umstände entwickelte sich ein hochklassiger Wettkampf, der erst auf den letzten Kilometern des Marathons entschieden wurde.
Auf der Schwimmstrecke konnte sich keine Athletin entscheidend absetzen - im Wasser formierte sich eine größere Gruppe, in der sich die Favoritinnen wiederfanden. Auf der Radstrecke ergriff Marjolaine Pierré die Initiative. Die Französin setze sich in Führung und arbeitete wertvolle Minuten auf den Rest des Feldes heraus. Die einzige Athletin, die das Tempo der Französin mitgehen konnte, war die IRONMAN Weltmeisterin Solveig Lovseth. Am Ende der Radstrecke trennten beide Athletinnen nur wenige Sekunden. In den Laufschuhen machte die Norwegerin den klar stärkeren Eindruck, reduzierte den Rückstand zur Französin innerhalb kurzer Zeit. Nach ca. vier Kilometern erfolgte der erwartete Führungswechsel: Solveig Løvseth bestimmte das Rennen nun von vorn.
Laura Philipp: Aufholjagd beim Marathon
Nach solidem Schwimmen fand sich Laura Philipp mit vier Minuten Rückstand zur Spitze zunächst in guter Gesellschaft mit Solveigh Lovseth wieder. Doch während sich die Norwegerin auf dem flachen Radkurs mit viel Druck auf dem Pedal nach vorn arbeitete, konnte Laura Philipp dem extrem hohen Tempo nicht folgen.
Dass die Deutsche überhaupt wieder gesund auf dem Rad sitzen würde, war lange Zeit unklar, nachdem sie noch vor wenigen Wochen während eines Trainingslageraufenthalts mit Schmerzen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.
Mit knapp neun Minuten Rückstand zur Spitze fuhr Laura Philipp in die zweite Wechselzone ein. Trotz der gesundheitlichen Probleme im Vorfeld und der herausfordernden Bedingungen in Hamburg bewies Laura Philipp große Kämpferqualitäten. Auf Position sieben in den Marathon gestartet, begann die Deutsche eine beeindruckende Aufholjagd und schob sich mit jedem Kilometer weiter nach vorne, sogar bis auf den zweiten Platz.
Was lange nach einem ungefährdeten Sieg für Løvseth ausgesehen hatte, entwickelte sich auf den letzten Kilometern zu einem packenden Duell gegen die Uhr.
Zieleinlauf der Podiumsplatzierten Laura Philipp (Silber), Solveig Løvseth (Gold) und Katrine Christensen (Bronze), Foto: Alexander Koerner / Getty Images for IRONMAN
Løvseth behält die Nerven
Trotz des starken Drucks ließ sich die Norwegerin nicht mehr entscheidend einholen. Die 26-Jährige bewies in der Schlussphase große Nervenstärke und brachte ihren Vorsprung bis auf den Rathausmarkt ins Ziel.
Nach 8:11:11 Stunden durfte Løvseth ihren Europameistertitel feiern, während Philipp nach 8:12:29 Stunden als Zweite einlief. Besonders beeindruckend war dabei ihre Laufleistung: Mit 2:42:16 Stunden absolvierte Philipp den schnellsten Marathon des Tages und sorgte damit für das sportliche Ausrufezeichen des Wettkampftages. Rang drei ging an die Dänin Katrine Græsbøll Christensen in 8:15:20 Stunden.
| Platz | Name | Nation | Swim | Bike | Run | Finish |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Solveig Løvseth | NOR | 0:54:57 | 4:20:06 | 2:49:21 | 8:11:11 |
| 2 | Laura Philipp | GER | 0:54:53 | 4:28:21 | 2:42:16 | 8:12:29 |
| 3 | Katrine Græsbøll Christensen | DEN | 1:00:51 | 4:21:47 | 2:45:45 | 8:15:20 |
| 4 | Marjolaine Pierré | FRA | 0:53:33 | 4:21:07 | 2:56:45 | 8:18:01 |
| 5 | Lisa Perterer | AUT | 0:54:51 | 4:25:58 | 2:53:49 | 8:22:31 |
| 6 | Lotte Wilms | NED | 0:50:29 | 4:26:03 | 3:00:51 | 8:24:58 |
| 7 | India Lee | GBR | 0:54:59 | 4:27:34 | 2:54:47 | 8:25:32 |
| 8 | Marta Lagownik | POL | 0:55:01 | 4:35:47 | 2:52:24 | 8:30:08 |
| 9 | Fenella Langridge | GBR | 0:50:34 | 4:37:57 | 2:56:11 | 8:31:54 |
| 10 | Kate Curran | GBR | 0:50:36 | 4:42:37 | 2:55:34 | 8:35:39 |
Metallsplitter sorgen für Diskussionen
Überschattet wurde die Europameisterschaft von Vorfällen auf der Radstrecke. Zahlreiche Altersklassenathletinnen und -athleten berichteten von Reifenpannen, die offenbar durch Metallsplitter auf Teilen des Kurses verursacht wurden. Medienberichten zufolge waren bis zu 150 Teilnehmende betroffen und mussten ihre Rennen für Reparaturen unterbrechen.
Wie die Metallteile auf die Strecke gelangten, war zunächst unklar. In den sozialen Medien und innerhalb der Triathlon-Community wurde über eine mögliche Sabotage spekuliert. Bestätigte Erkenntnisse zu einer vorsätzlichen Manipulation lagen jedoch zunächst nicht vor.
Hawaii-Ticket frühzeitig gesichert
Mit Rang zwei konnte Laura Philipp außerdem ihr Ticket für die IRONMAN-Weltmeisterschaft auf Hawaii lösen. Trotz ihrer gesundheitlichen Probleme in den Wochen vor dem Rennen zeigte die Deutsche in Hamburg eine mehr als starke Leistung und beeindruckte mit ihren Kämpferqualitäten auf der Laufstrecke. Damit sendete die Heidelbergerin wenige Monate vor der Weltmeisterschaft ein deutliches Signal an die internationale Konkurrenz.
Laura Philipp, Europameisterin Solveig Løvseth und Katrine Christensen feiern ihre Medaille., Foto: Alexander Koerner / Getty Images for IRONMAN


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